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GRENZENLOSE MALEREI
Die Kölner Künstlerin Nike Seifert

Die Bilder der Kölner Malerin Nike Seifert sind farbgewaltig aber auch sanft zurückhaltend, verbinden Kalkül und Spontaneität. Ihre künstlerische Arbeitsweise erinnert an den französischen Tachismus der 1940er bis 60er Jahre, bei dem der spontane Malakt die dem Künstler innewohnende kreative Kraft sichtbar machen sollte. Auch erinnert sie an die Malerei des deutschen Informel der 1950er Jahre, die Ausdruck eines dynamischen, spontanen Malvorganges ist. Ebenso wie Künstler jener Stilrichtungen schöpft Nike Seifert ihre künstlerische Motivation aus der Kraft der reinen Malerei. Es gibt keine bestimmte Motivwahl, sondern ein prozesshaftes Herausarbeiten aus der Farbe und aus dem Arbeitsvorgang des Malens selbst. Pinsel, Rakel oder Spachtel kommen zum Einsatz und lassen so abstrakte Werke mit Strukturen und unregelmäßigen Farb- und Oberflächen entstehen. Zufall und Experiment sind Weg und Ziel zugleich. Dabei ergeben sich unwillkürlich Formen und Konturen, die scheinbar Gegenständliches erkennen und erahnen lassen. Diese Formen geben Nike Seifert oftmals Impulse für die Titelgebung, die sie rein assoziativ wählt: Syrinx, Andromeda, Rockstar, Chaumet oder Yuanxiao – die Assoziationen sind mannigfaltig.
Landschaften, Sternenbilder, Musikstücke und Lichtphänomene finden sich hier namentlich genauso wieder wie Anklänge an eigene persönliche Erinnerungen und Emotionen. So spielt die Musik eine nicht unwesentliche Rolle für Nike Seifert, die selbst eine frühe musikalische Erziehung genossen hat. Klangfarben, Komposition, piano, forte – auch ihre Bilder können laut oder leise sein, einem Adagio oder eher einem Presto entsprechen. „Malerei und Musik sind gleichermaßen sinnlich, sprechen die Seele und die Phantasie an“, beschreibt Nike Seifert ihren musikalischen Zugang zur Malerei.

Die auch das Vergolderhandwerk beherrschende Malerin verbindet diese emotionalen „Saiten“ mit der Frage nach den Grenzen des Vorstellbaren. Für sie ist die Malerei eine Art Fenster, ihren Vorstellungen Gestalt zu geben und auch existentielle Fragen zu formulieren: „Ob in Gedanken, in der Musik oder auch im künstlerischen Schaffen – es fühlt sich gut an, wenn man die eigene, doch begrenzte Vorstellungskraft überwindet und versucht, sich außerhalb der Erfahrungswelt zu bewegen. Kunst, sowohl der unmittelbare Schaffensprozess an sich, als auch das Ergebnis in Form des fertigen Bildes kann uns dahin führen. Sie vermag Stimmungen und Assoziationen hervorzurufen, die in uns verborgen waren.“ Es sind oftmals tiefe innere Sehnsüchte, die nichts mit konkreten und materiellen Wünschen zu tun haben, die sich in den Bildern von Nike Seifert widerspiegeln, weil sie quasi als Reflexionsfläche der eigenen Vorstellungen dienen können. „Andere Medien können nur abbilden und Fakten spiegeln, die greifbar und vorhanden sind“, sagt Nike Seifert. Ihre Kunst hingegen führt uns in unser Innerstes, auch zu einer Art Demut gegenüber dem großen Ganzen und zu unserer Phantasie, die eben auch unendlich und grenzenlos ist.